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Angstgefühle

Frage: Manchmal, wenn ich (18, männlich) in einem Raum bin, wo viele Leute sind, wird mir plötzlich sehr unwohl. Vor allem im Kino ist es kürzlich passiert. Ich war mitten in der Reihe, und mitten im Film wurde mir schlecht. Ich dachte, ich müsse bald erbrechen. Aber ich traute mich nicht, etwas zu sagen. Ich wollte nicht durch alle hindurch und alle stören. Aber mein Herz begann, wie verrückt zu schlagen, meine Hände zitterten, ich schwitzte am ganzen Körper, aber gleichzeitig war mir kalt. Mein Gesicht fühlte sich an wie taub. Es war schrecklich. Ich dachte, ich breche zusammen oder sterbe sogar. Seither habe ich solche Angst, dass es wieder passiert. Was war mit mir los und was soll ich tun?

Antwort: Vielleicht erstaunt es dich, wenn ich dir sage, dass ziemlich viele Leute solche oder ähnliche Probleme haben wie du. Man spricht von Angststörungen oder auch Panik-Attacken. Und zwar passiert dabei etwa Folgendes: - In deinem Kopf steckt die Überzeugung, dass es sehr peinlich und schlimm wäre, in einer Gruppe von Menschen unangenehm aufzufallen. Die Horrorvorstellung ist sozusagen, dass sich alle nach dir umdrehen, du mit hochrotem Kopf durch die Reihen stolperst und vielleicht vor allen erbrechen musst. Diese Überzeugung ist dir vielleicht nicht ganz bewusst, aber sie ist der Hintergrund für dein Problem. Wenn du nämlich die Überzeugung hättest, dass es egal ist, wie die andern über dich denken, hättest du gesagt: „Entschuldigen Sie, mir ist nicht gut. Ich möchte schnell hinaus.“ Und die Sache wäre erledigt gewesen. - Jetzt, wo du solch ein unangenehmes Erlebnis hattest, hat dein Körper gelernt, in Gruppen auf Alarmstufe zu schalten. Die Angst, dass etwas passieren könnte, ist jetzt unterschwellig da. Und weil die Magennerven sehr empfindlich auf Angst reagieren, kann es wirklich sein, dass dir ein wenig schlecht wird. Zuerst ist also die Angst da, und dein Magen liefert dir sogleich einen Grund nach, wirklich Angst zu haben. Jetzt schaukelt sich das Ganze hoch: Du kriegst noch mehr Angst, bekommst Herzrasen, kalte Schweissausbrüche usw. Die Panik ist komplett.

Halte für dich fest: 1. Auch wenn die Panik sehr unangenehm ist, passieren kann nichts. Sobald der Gipfel erreicht ist, hört das Zittern wieder auf, das Herz beruhigt sich usw. Am besten probierst du es mal aus: Das nächste Mal, wenn die Panik auftritt, bleibst du einfach sitzen und beobachtest dich. Die Angst wird sich steigern, einen Höhepunkt erreichen, dann wieder abnehmen. 2. Stell dir ganz genau vor, was das Schlimmste wäre. Dir wird wirklich so schlecht, dass du hinaus musst. Du bittest um Verzeihung und verlässt den Kinosaal. Im WC wartest du, bis dir wieder besser ist. Wäre das alles? Nichts weiter? – Oder gibt es noch etwas, was schlimm wäre? Du erbrichst z.B. mitten in der Reihe. Das passiert aber sehr selten, vor allem erbricht man selten einfach nur aus Angst. Das ist zwar eine unangenehme Vorstellung, aber sie trifft eben nicht zu. Das Befürchtete passiert nicht. Ich bin sicher, dass du das Problem selber in den Griff bekommst, aber es dauert ein wenig. Auf jeden Fall solltest du nicht ausweichen und gewisse Situation zu meiden beginnen, sonst weichst du immer mehr Situationen aus und bist am Schluss nur noch in deinem Zimmer wohl. – Wenn du allein nicht weiter kommst, melde dich auf dem Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst deines Wohnkantons. Da gibt es Leute, die dir ganz gezielt helfen können. Wie gesagt: Dein Problem ist gut bekannt und es lässt sich leicht beheben.

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