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Beschneidung von Mädchen

Frage: Also ich bin ein wenig verunsichert... In meiner Schulklasse haben wir eine neue Schülerin, sie ist voll nett und so und sie kommt aus Nigeria (sie ist auch dort geboren). Sie kann aber mega gut Deutsch und so ... eigentlich voll ok. Jetzt hat sie uns aber erzählt, dass sie in den Sommerferien nach Afrika geht, dort wird nämlich ihre Cousine beschnitten und sie will dabei sein. Ich habe sie dann gefragt ob sie auch beschnitten ist, sie hat aber nichts gesagt. Ich glaube aber schon, dass sie beschnitten worden ist, bin aber nicht sicher. Aber sie muss dabeisein wie ihre Cousine verstümmelt wird. ICH FINDE DAS SO SCHLIMM!!! Ich habe gedacht, das sei verboten! Das ist völlig ekelhaft und schrecklich...soll ich ihr glauben? Ich habe nämlich das Gefühl, dass ich das verhindern sollte, aber es geht mich nichts an! Bitte helft mir!

Antwort: Du hast recht, die Beschneidung von Frauen ist schrecklich, und es ist in der Schweiz eine Straftat. International ist es geächtet, auch wenn es an vielen Orten leider noch immer praktiziert wird. Es gibt in der Schweiz eine Organisation Iamaneh. Auf ihrer Website findest du Infos zum Thema Beschneidung: www.iamaneh.ch. Auch die Unicef setzt sich weltweit ein gegen Beschneidungen: www.unicef.ch/de/index.cfm . Soviel zu den allgemeinen Informationen, du bist nun aber konfrontiert mit dem Thema durch ein Mädchen in deiner Klasse, das vielleicht selber dieses Trauma erleiden musste und eventuell nun dabei sein wird, wenn ein anderes Mädchen dasselbe erleiden muss. Ich kann mir vorstellen, dass deine Mitschülerin so sehr in der Tradition ihres Heimatlandes ist, dass sie das Unrecht für Frauen in dem Ritual nicht erkennen kann. Für sie ist eventuell das Ritual ein Teil ihres Erwachsenwerdens (so wird es zumindest den Mädchen erklärt), sich davon zu lösen kann schwierig sein. Es könnte zudem bedeuten, dass sie sich gegen ihre Familie und gegen ihre Herkunft richten müsste - eine sehr schwierige Aufgabe!

Ich kann dich gut verstehen: Einerseits dein Schock, das zu hören, dein Gewissen, das dir sagt, dass da doch etwas unternommen werden sollte - und auf der anderen Seite der Gedanke, dass es dich vielleicht doch nichts angeht und du auch nichts ausrichten kannst. Vielleicht kannst du mit ihr ins Gespräch kommen, was die Beschneidung für sie bedeutet. Das verlangt allerdings von dir, dass du ihr auch zu hören magst. Ein Artikel in verschiedenen Zeitungen besagt, dass eventuell sogar in Schweizer Spitälern solche Beschneidungen durchgeführt werden und deswegen auch Anzeige erstattet wurde. Auch wenn es dich schmerzt, dass du Unrecht nicht verhindern kannst, wenn du darauf hinweist und die Diskussion anregst, hast du viel getan, das ist allemal besser als die Augen verschliessen und wegschauen! Ich gratuliere dir zu deinem engagierten Eintreten. Dein 147.

 

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