DE· FR· IT|Kontakt|Home

Komische Gefühle in Glaubensgemeinschaft

Frage: Als erstes möchte ich mal sagen, dass ich völlig verwirrt bin. Angefangen hat alles im Frühling, genauer gesagt um Ostern. Damals war ich in einem Lager. In diesem Lager habe ich zum Glauben an Gott gefunden. Am 5. Dezember kam ich dann mit meiner Freundin zusammen. Als ich dann am 27. Dezember in das Praisecamp ging, um meine Glaubensgrundsätze zu festigen, kam ich mir wie im falschen Film vor. Die erzählten dort Sachen mit denen ich einfach ganz und gar nicht einverstanden war. (Zum Beispiel, dass Homöopathie oder auch Yoga Sünde wäre). Sie erzählten von Dämonen und lauter solchen Sachen und ich war völlig überfordert. Jetzt bin ich mir mit meinem Glauben völlig unsicher und, so komisch es tönt, ich habe keine Ahnung ob ich noch an Gott glaube. Ich weiss es einfach nicht. Und seit ich von diesem Lager zurück bin, läuft es auch mit der Freundin nicht mehr richtig, irgendwie ist wie etwas zwischen uns gekommen. Ich habe keine Ahnung, ob das etwas mit meinem Glauben zu tun hat oder mit sonst was, aber auf jeden Fall fühle ich mich einfach völlig am Boden und habe keine Ahnung wie ich einen Weg aus diesem Problem finden kann. Ich erwarte nicht unbedingt Hilfe von euch. (Kann man das bei so einem Problem erwarten?!) Aber es tut schon gut wenn ihr einfach darauf eingeht und versteht, wie ich mich fühle.

Antwort: Hallo. Ich kann sehr gut nachvollziehen, was du beschreibst und du drückst dich verständlich und klar aus.  Du beschreibst, wie du eine Erfahrung gemacht hast, die dich tief berührt hat. Du sagst dazu, du seist zum Glauben an Gott gekommen. Deine Empfindung ist ein persönliches Erlebnis und nicht in Frage zu stellen. Es ist ein tiefes Berührtsein, das manche Menschen als Begegnung mit Gott empfinden. Dieses Erleben ist zu Unterscheiden von einer Organisation und einem Wertsystem welches sagt, wie dieses Erlebnis zu deuten sei und was es alles mit sich bringe. Von deinen Schilderungen gehe ich davon aus, dass du den christlichen Glauben meinst und dich in evangelikalen Kreisen bewegst (Ostern / Praiscamp / etc.). Dort wird dein persönliches Erlebnis in einer bestimmten Art und Weise gedeutet und in ein Wertsystem eingebunden (Begriffe wie Sünde, Dämonen, etc.). Dieses System geht offenbar, zumindest teilweise, gegen deine Auffassungen und möglicherweise gegen das, was du persönlich empfunden hast. Du fängst nun an, daran zu Zweifeln, ob das was du empfunden hast falsch war, ob du falsche Einstellungen hast, ob dir falsches erzählt wird und gerätst in innere Konflikte die sich auch in deinem Umfeld (Freundin) niederschlagen.

Es ist nun ganz wichtig, dass du das Bad nicht mit dem Kinde ausschüttest und gleich alles in deinem Leben in Frage stellst. Du sollst und darfst dich auf dein Gefühl und deinen Verstand verlassen. Es besteht die Möglichkeit, ein Empfinden für Gott zu haben und daran zu glauben, ohne dass dabei Dämonen und Sünden oder sonst ein menschengemachtes religiöses System eine Rolle spielen. Niemand kann den richtigen Glauben definieren und was dir zu wider läuft, passt nicht zu deiner (Gottes)-Empfindung, darauf kannst du dich verlassen. Darum beachte deine unguten Gefühle. Das kann auch heissen, sich aus einem Kreis von Leuten wieder zu verabschieden, mit denen man auch gute Erlebnisse hatte und die man vielleicht mag und denen man für gewisse Dinge vielleicht auch dankbar ist. So, wie du das Ganze schilderst, würde ich dir empfehlen, eher etwas auf Distanz zu der religiösen Gruppierung zu gehen. Allerdings musst du damit rechnen, dass dir dies als Vewirrung ausgelegt wird und man dir versucht weis zu machen, du stündest unter schlechten Einflüssen.

Da du im Moment doch ziemlich den Boden verloren hast, könnte es für dich hilfreich sein, mit jemanden dem du vertraust und der keiner religiösen Bewegung angehört, über deine Erfahrungen zu sprechen. Zum Beispiel mit einem Lehrer, mit deinen Eltern, mit Freunden. Du darfst uns auch anrufen und mit uns eingehender sprechen. Wichtig finde ich zudem, dass du deiner Freundin erzählst, wie du dich fühlst. Vielleicht mögt ihr auch zusammen unsere Antwort lesen. Vielleicht ist sie auch verunsichert? Falls sie sich in der gleichen religiösen Gruppierung bewegt, kann es für euch sehr schwierig sein, über die unterschiedliche Wahrnehmung zu sprechen. In diesem Falle empfehle ich dir eine Beratung (Mail, Telefon, Persönlich) bei www.infosekta.ch . Ich wünsche dir, zu deinen ganz persönlichen Empfindungen zu stehen und sie dir nicht von andern zurecht biegen zu lassen.

Dein 147.

Den Inhalt dieser Seite teilen
share
Pro Juventute
Stiftung
Thurgauerstrasse 39
8050 Zürich
Tel: 044 256 77 77
Fax: 044 256 77 78