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Konfliktmuster und Konfliktlösung

Konflikte durchlaufen verschieden Phasen: Nachfolgend ein Beispiel, das ohne Lösung von einer in die nächste Phase geht:
- Kleine Differenzen, welche vielleicht nur eine Person als unbefriedigend empfindet. Vielleicht werden sie ausgehandelt, aber es bleibt eine Unzufriedenheit zurück, vielleicht wird versucht darüber hinwegzugehen aber es gelingt nicht ganz und es bleibt eine Unzufriedenheit. Der Wille und die Hoffnung einen guten Weg zu finden sind hoch.
- Erste Auseinandersetzungen: Beide Personen sind unzufrieden oder genervt. Beide engagieren sich stark im Konflikt und suchen verschiedene Möglichkeiten, dem Konflikt zu entgehen.
- Die Auseinandersetzungen häufen sich: Die Konflikte treten häufiger auf, werden heftiger. Beide engagieren sich sehr stark und investieren viel Energie in die Auseinadersetzungen. Sie regen sich vielleicht auf, sprechen mit andern darüber. Hier kann die Gefahr bestehen, dass der Konflikt gewalttätig wird.
- Die heftigen Auseinandersetzungen nehmen eventuell etwas ab, hinzu kommt aber, dass sich einer oder beide fragen, was der/die andere im Schilde führt. Man fängt an, Absichten zu vermuten, dem andern nicht mehr ganz zu trauen, fragt sich ob es ihm/ihr um dies oder jenes gehe.
- Das Vertrauen ineinander wird hinterfragt oder bricht zusammen, man ist frustriert, hat das Gefühl es bringe eh nichts und sucht nach Möglichkeiten Distanz zu gewinnen beziehungsweise dem andern nicht mehr zu begegnen.
- Man geht sich aus dem Weg, spricht nicht mehr miteinander, trennt sich wenn möglich.

Schnell oder Langsam: Diese Phasen können ganz langsam ablaufen (über Jahre) oder ganz schnell (in Minuten), oder anfänglich ganz schleichend und dann sehr plötzlich oder sehr schnell und dann irgendwo stecken bleiben.

Ausstieg jederzeit möglich: Es gibt keine Konfliktphase, in der ein Ausstieg und eine Lösung nicht möglich sind. Hingegen ist nicht immer das Gleiche hilfreich.

Verhaltenstipps: Konflikte werden nicht mit Tipps gelöst, sondern mit Verhaltensänderungen der beteiligten Personen. Tipps können nur helfen, eine andere Richtung einzuschlagen, neue Ideen zu erhalten. Das ist auf jeden Fall gut – und vielleicht braucht es dann noch etwas mehr. Siehe dazu «Hilfe holen oder nicht?».
Hier einige Tipps und Vorschläge:
- Pausen – aber kein Abbruch: Wenn ein Konflikt eskaliert (das heisst wenn er lauter, gefrusteter, genervter und der Wortwechsel immer schneller wird) oder wenn ein Konflikt sich verhärtet (das heisst wenn er zum Beispiel immer verstockter und wortloser wird), dann kann es sinnvoll sein, eine Pause zu machen und etwas ganz anderes zu tun. Wichtig dabei ist, dass man in die Verhandlung zurückgeht. Am besten mit einer ganz neuen Haltung.
- Neue Haltung: Eine neue Haltung findest du am ehesten, wenn du nicht über das Problem oder dessen Lösung nachdenkst, sondern dir überlegst, was du alles schätzt an der Person mit der du eine Auseinandersetzung hast. Vorschlag: Schreib es auf und gib es der Person zum Lesen. Bitte sie darum, dasselbe zu tun. Du wirst sehen, euer Gespräch wird anders verlaufen.
- Ein Wunder geschieht: Eine neue Haltung kannst du auch zusammen mit der anderen Person suchen. Vorschlag: Am besten liest zuerst einer, dann der andere ganz langsam die folgende, etwas besondere und vielleicht etwas schwierige Frage und erzählt dann was ihm dazu in den Sinn kommt:
Die Frage: Stell dir vor, ihr geht nach eurem Gespräch für heute jeder seinen Weg ... und du tust was du so tust an einem solchen Tag wie heute. Abends isst du noch was oder trinkst etwas, putzt dir vielleicht die Zähne, oder machst was du sonst so machst ... und dann gehst du zu Bett und schläfst ein. Über Nacht passiert ein Wunder und all das, was zu dem Konflikt zwischen dir und der andern Person geführt hat, hat sich aufgelöst – und das wäre ja wirklich ein Wunder. Am nächsten Morgen stehst du auf. Woran würdest du merken, dass das Wunder geschehen ist?
Was dir in den Sinn kommt: Erzähle oder schreib auf, frag dich ein paar Mal:
Woran würdest du es merken?
Woran würdest du es auch noch merken?
Wer würde es ausser dir noch merken?
Woran?
Was würdest du anders tun wenn das Wunder geschehen ist?
Und die anderen Personen würden ja nach dem Wunder auch ganz anders reagieren? Was würdest du dazu sagen? Und was würdest du tun? Und wie würde sich das anfühlen?
Lösungen haben nicht unbedingt mit dem Problem zu tun: Vielleicht kommen dir Dinge in den Sinn, die ganz und gar nichts mit dem Konflikt zu tun haben. Das ist o.k. Nimm ernst, was dir in den Sinn kommt und versuche, wenn dir die schwierige Situation in den Sinn kommt, nicht mehr darüber nachzugrübeln, sondern an das zu denken, was dir bei der Frage nach dem Wunder in den Sinn gekommen ist. Denn oft haben Lösungen nicht direkt etwas mit dem Problem zu tun. Versuche in den nächsten Tagen so oft wie möglich an das Wunder zu denken. Vielleicht schreibst du eine Geschichte dazu oder zeichnest ein Bild dazu oder schreibst einen Songtext und vielleicht kannst du dich bereits ein bisschen so wie nach dem Wunder verhalten.

Eine Familien-Diskussion gut gestalten: Wenn du ein konfliktreiches Thema besprechen willst, so mache mit der Person ab. So könnt ihr euch beide Zeit nehmen und ruhig und gefasst einsteigen. Die Regeln:
- Jeder darf erzählen wie es ihm geht, ohne unterbrochen zu werden.
- Man spricht vor allem von sich und in Ich-Form und nicht in Du-Form.
- Sicht rechtfertigen ist nicht hilfreich und soll möglichst unterlassen werden. Sag lieber wie du dich fühlst, wenn du dies oder das hörst.
- Alle haben ungefähr gleich viel Sprechzeit zugute.
- Nachdem eine Person gesprochen hat, ist es hilfreich, wenn die andern Fragen stellen wie: Ich habe verstanden, dass... ist das richtig?
- Kritik soll höchstens am Verhalten, nicht aber an der Person geübt werden. Also: Mich stört, wenn du das und das tust. Nicht: Du bist so und so und das nervt.
- Das Suchen nach neuen Möglichkeiten, nach anderen Wegen, nach anderem Verhalten hat nichts mit Aufgeben zu tun sondern mit Geschick. Im Sport gewinnen auch nicht die Sturen, sondern die Geschickten, Umsichtigen, die aber doch ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Ein möglicher Ablauf:
- Sammlung: Zuerst werden alle möglichen Lösungen für den Konflikt gesammelt und aufgeschrieben. Es wird nicht diskutiert und jeder Lösungsvorschlag wird aufgeschrieben. Selbst wenn er anderen Familienmitgliedern nicht gefällt oder es eine scheinbar dumme Lösung zu sein scheint oder sie kaum umsetzbar ist oder sie an ein Wunder grenzen würde.
- Vor- und Nachteile: Jetzt werden die einzelnen Lösungen diskutiert. Dabei geht es darum, Vorteile und Nachteile aufzuzählen. Wichtig ist, dass alle bei allen Varianten nach Vor- und Nachteilen suchen. Wenn jemand nur Nachteile aufzählt, wird er aufgefordert, auch Vorteile zu suchen. Zu Vor- und Nachteilen gehört auch, wer sich wie fühlen würde wenn die Variante umgesetzt würde.
- Einigung: Vielleicht wird bei der Diskussion schon klar, welche Lösung die beste ist. Wenn jemand auf etwas verzichten muss, kann es wichtig sein über den Ausgleich für den Verzicht zu sprechen. Es können auch die schlechtesten Lösungen oder schlechtesten Teile von Lösungen gestrichen werden, so dass nur noch wenige übrigbleiben. Darüber wird noch einmal diskutiert.
- Keine Einigung: Wenn keine Einigung erreicht wird, gibt es immer noch die Möglichkeit, eine Münze zu werfen oder in wichtigen Dingen darüber zu schlafen. Manchmal tauchen dann neue Ideen auf oder ein Kompromiss wird möglich.
- Probezeit: Manchmal hilft es, wenn eine Probezeit vereinbart wird und nach dieser nochmals darüber gesprochen wird, ob sich die Lösung bewährt hat oder nicht.
- Bestätigung: Am Schluss wird die gewählte Lösung noch einmal bekräftigt und in besonders wichtigen Angelegenheiten vielleicht sogar aufgeschrieben. Alle sollen bestätigen, dass sie mit der gewählten Lösung einverstanden sind oder sich damit abfinden können.

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