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Mir geht's verschissen

Frage: Mir (16, weiblich) geht es ziemlich verschissen. Ich hatte mit meinem Freund Streit. Das war ja nicht das erste Mal. Jetzt hat er mir an den Kopf geworfen, dass er mich betrogen hat. Ich habe sofort Schluss gemacht. Meine beste Freundin lässt mich im Stich und macht mir auch noch Vorwürfe, ich sei selber Schuld, dass ich ihn verloren habe. Das alles stresst mich sehr. Ich könnte nur noch heulen. Dazu kommt, dass sich meine Eltern scheiden lassen wollen. Eigentlich hat das damit ja nichts zu tun. Und trotzdem verschlimmert es meine Stimmung extrem. Ich zweifle, ob ich noch lange durchhalte - und überhaupt durchhalten will. Bitte helft mir.

Antwort: Du hast innerhalb kurzer Zeit drei schmerzliche Erfahrungen machen müssen, drei Erfahrungen, die dir zeigen, dass auf Menschen nicht immer Verlass ist. Alle Bereiche, die dir Halt geben könnten, sind mit einem Mal in Frage gestellt: das Elternhaus, die Freundschaften und die Liebe. Das ist hart, und es ist nichts als verständlich, dass du darauf mit Rückzug, Trauer und Wut reagierst. Wichtig scheint mir, dass du an folgendes denkst:

1. Lass dir Zeit. Deine Reaktion ist normal, die meisten Menschen würden auf das, was du erlebt hast, so oder ähnlich reagieren. Du brauchst eine gewisse Zeit, diese Erlebnisse zu verarbeiten und aus dieser Krise wieder aufzutauchen.

2. Im Moment kommt es dir so vor, dass du dich im Leben auf nichts und niemanden verlassen kannst. Du überträgst deine negativen Erfahrungen auf alle andern Menschen und reagierst mit Angst, wenn du an neue Beziehungen denkst. Das ist zwar verständlich, aber es stimmt nicht ganz mit der Wirklichkeit überein. Ganz so schlecht, wie dir die Welt jetzt scheint, ist sie doch nicht. Es gibt Leute, auf die man sich verlassen kann, und es lohnt sich immer wieder, bestimmten Menschen Vertrauen entgegenzubringen. Vielleicht besinnst du dich auf Leute in deinem Bekanntenkreis, die wirklich immer zu dir gestanden sind. Vielleicht eine Tante, eine Nachbarin, ein Cousin oder sonst jemand. Suche das Gespräch mit solchen Menschen und erzähle ihnen von deinen Erlebnissen und deiner jetzigen Situation.

3. Deine Idee, dir hier Hilfe zu holen, finde ich sehr gut. Mach einen nächsten Schritt: zum Beispiel kannst du deinem Hausarzt/deiner Hausärztin von der Sitution erzählen und er/sie kann dir psychologisch Hilfe vermitteln. Du kannst dich auch direkt bei einer Stelle der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste melden oder auf einer Jugendberatung. Du findest sie in den grösseren Ortschaften deines Wohnkantons. Zögere nicht, Hilfe zu suchen. Es gibt sie. Menschen, die diesen Schritt gemacht haben, berichten, dass sie sich in der Krise gar nicht mehr vorstellen konnten, dass es ihnen wieder besser gehen könnte - dass sie aber dank der Unterstützung wieder selber bestimmen konnten über ihr Leben und sich nicht mehr so hilflos fühlten.

 

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