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Pornografie: Praktische Bedeutung des Gesetzes

In der Schweiz gilt seit 1. Juli 2014 ein absolutes Verbot harter Pornografie: Pornografische Darstellungen mit Menschen unter 18 sind verboten, ebenso gewalttätige pornografische Darstellungen oder solche mit Tieren. Nicht nur, wer sie anbietet, sondern auch wer sie konsumiert, macht sich strafbar. Das gilt übrigens auch für gezeichnetes Material. Es gibt auch legale Pornografie, aber das befreit dich nicht vor der Eigenverantwortung. Mach dich schlau, was legal ist und was nicht.

Der Umgang mit Pornografie wird im Schweizerischen Strafgesetzbuch (StGB) unter «Strafbare Handlungen gegen die sexuelle Integrität» (Art. 197) geregelt. (Gesetzestext: www.admin.ch/ch/d/sr/311_0)

Um die Gesetze verstehen zu können, ist es wichtig, sich folgendes vor Augen zu halten: Seit 2014 gibt es bezüglich Altersgrenze einen Unterschied zwischen dem Schutzalter (16 Jahre!) und dem gesetzlich festgelegten Alterslimit für Kinder-Pornografie und Prostitution (18 Jahre!) Zudem wird zwischen erlaubter und verbotener Pornografie unterschieden.

Schutzalter: Personen unter 16 Jahren gelten bezüglich sexueller Handlungen als Kinder und über 16-jährige als Erwachsene. Daher liegt in der Schweiz das sogenannte Schutzalter bei 16 Jahren.

Kinderpornografie: Es ist verboten, pornografische Darstellungen mit Minderjährigen (unter 18 Jahren) zu konsumieren, herzustellen, zugänglich zu machen und zu verbreiten und/oder Minderjährige dafür zu gewinnen, bei solchen Darstellungen mitzumachen.

Bedeutung des Schutzalters für ...

  • Beziehungen von Jugendlichen: Wenn bei sexuellen Kontakten eine Person jünger als 16 ist, darf der Altersunterschied zwischen beiden nicht mehr als drei Jahre betragen. Sind beide über 16, gibt es keine Altersbeschränkung. Dies schützt Jugendliche vor Übergriffen von Erwachsenen.
  • Pornografiekonsum: Artikel 197 des StGB verbietet, pornographisches Material unter 16-Jährigen (und damit also Kindern) anzubieten, zu zeigen, zu überlassen, oder zugänglich zu machen. Pornographische Erzeugnisse sind für Erwachsene (also über 16-Jährige) bestimmt und Kinder (also unter 16-Jährige) sollen davor geschützt werden.
  • Erotik- und Sexshops: Erotik- oder Sexshops, aber auch Nachtclubs dürfen ihre Türen Jugendlichen vor dem 16-ten Geburtstag nicht öffnen, praktisch immer ist dort aber die Alterslimite 18 Jahre.
  • Kiosk und Buchhandel: Es ist der Buchhändlerin oder dem Kioskverkäufer verboten, unter 16-Jährigen Magazine und Zeitschriften mit pornografischem Inhalt zu verkaufen.
  • Internet und Handy: Siehe Abschnitte «Legale Pornografie», «Selbstgemachte sexy Bilder», und «Illegale Pornografie».

Legale Pornografie

Strafbarkeit: Wer Kindern (unter 16 Jahre) pornografische Darstellungen zugänglich macht, macht sich strafbar. Die Besitzerin oder der Anbieter von Pornografie ist strafbar, wenn sich auch unter 16-Jährige Zugang verschaffen können. Bestraft wird also die Person, die das Material weitergibt, nicht die Empfängerin oder der Empfänger. Zum Beispiel der Internetseitenbetreiber, der Altersangaben nicht kontrolliert, der Kioskverkäufer, die Erotikshopangestellte, aber auch der Vater, der Pornofilme herumliegen lässt, oder der Junge, der sie per Handy verschickt.

Strafbarkeit Jugendlicher: Auch als Kind oder Jugendlicher machst du dich strafbar, wenn du pornografische Bilder oder Filme an Kollegen und Kolleginnen, die noch nicht 16 Jahre alt sind, weitergibst oder sie ihnen zeigst. Dies gilt auch für Film- und Bildmaterial das du selber aufgenommen hast (wobei dort unter Umständen zusätzliche Gesetze verletzt werden). Das Gesetz gilt also auch dann, wenn die handelnde Person selber noch nicht 16 Jahre alt ist. Jugendliche ab zehn Jahren gelten als strafmündig und müssen mit einer Strafe rechnen, wenn sie legale Softpornografie an unter 16-Jährige verteilen oder illegale harte Pornografie besitzen. Und strafrechtlich gesehen spielt es auch keine Rolle, ob diese Bilder oder Filme als MMS oder als Anhang einer E-Mail verschickt, auf einem Datenträger weitergegeben, als Bild ausgedruckt und verschenkt oder auf einem Handy, einem iPod oder auf dem PC gratis vorgeführt werden. Handelt es sich dabei um harte Pornografie, ist bereits der Eigenkonsum strafbar. (Siehe auch: «Illegale Pornografie».)

Selbstgemachte sexy Bilder

Selbstgemachte Bilder unter 16-Jähriger: Wenn du noch nicht 16 bist und dich oder andere beispielsweise bei der Selbstbefriedigung filmst oder fotografierst, produzierst du verbotene Kinderpornografie. Zudem verletzt du unter Umständen weitere Gesetzesartikel. Egal mit welcher Absicht und für wen du es herstellst – es ist verboten und kann dir nebst der Strafe unglaublichen Stress bescheren.

Sexting und selbstgemachte Bilder über 16-Jähriger: Über 16-Jährige bleiben straflos, wenn sie im gegenseitigen Einverständnis voneinander Fotos oder Filme mit sexuellen Handlungen herstellen, diese besitzen oder konsumieren.
Im gegenseitigen Einverständnis bedeutet: ausdrückliche Einwilligung, freiwillig, ohne Druckausübung, keine Verletzung von Persönlichkeitsrechten wie Weitergabe an Dritte oder Drohen damit. Siehe auch: «Selbstdarstellung und Sexting».

Wann ist ein Nacktbild eines Kindes oder eines Jugendlichen verboten?

In der Schweiz sind Aufnahmen von Kindern dann verboten, wenn sie durch eine übermässige Betonung des Genitalbereichs oder durch das Zeigen aufreizender Stellungen oder Situationen darauf angelegt sind, den Betrachter sexuell zu erregen. Geschützt sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Illegale Pornografie

Besonders strenge Regeln bestehen für so genannte harte Pornografie. Denn hier zeigt jedes Bild ein Opfer sexualisierter Gewalt.

Kinder-, Gewalt- und Tierpornografie sind verboten: Pornografie ist verboten, wenn in den Darstellungen Kinder oder Jugendliche unter 18 Jahren vorkommen, wenn gewalttätige Handlungen oder Tiere gezeigt werden. Bei solcher Pornografie ist das Herstellen, Einführen, Lagern, In-Verkehr-Bringen, Anpreisen, Ausstellen, Anbieten, Zeigen, Überlassen, Zugänglich-Machen, Erwerben und Sich-Beschaffen über elektronische Mittel oder auf andere Weise oder Besitzen verboten.

Illegaler Schwarzmarkt (im Internet): Trotz dem Verbot durch das Gesetz ist harte Pornografie erhältlich. Zum Beispiel im Internet über Server, die in Ländern stehen, die diesbezüglich praktisch rechtsfrei sind. Insbesondere beim Surfen im Internet besteht also die Möglichkeit auf Webseiten zu landen, die Kinder-Pornografie, Tier-Pornografie oder pornografische Gewaltdarstellungen beinhalten. Falls du auch schon auf solche Darstellungen gestossen bist, fragst du dich vielleicht ob du dich dabei strafbar gemacht hast.

Mache ich mich beim Surfen strafbar? Ja, wenn du Seiten mit illegaler Pornografie ansurfst und nicht sofort wieder wegklickst, machst du dich strafbar. Denn auch der Konsum von illegaler Pornografie ist verboten. Wer solche Bilder anwählt oder auf solchen Seiten rum-klickt muss mit einer Strafe rechnen. Die sogenannte Strafmündigkeit liegt bei zehn Jahren. Das heisst Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren müssen in diesem Falle mit einer Strafe rechnen.

Stopp Kinder-Pornografie: Hier gehts zur Kampagne «Stopp Kinderpornografie» der Schweizer Kriminalprävention: www.stopp-kinderpornografie.ch

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