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Schräge Vorstellungen

Viele Menschen haben schräge Vorstellungen über die Sexualität. Nicht selten führen diese zu hohen Erwartungen und dem Gefühl, gegenüber anderen minderwertig zu sein. Es kann sich deshalb lohnen, dass du dir die häufigsten schrägen Vorstellungen mal anschaust:

Alle haben guten Sex – nur ich nicht...

Es gibt kaum einen anderen Lebensbereich, wo so viel geprahlt, geflunkert und gelogen wird. Du kannst getrost 90 Prozent abziehen, wenn von Sexerlebnissen die Rede ist. Die anderen sind meist nicht so toll, wie sie gern sein möchten und sich darstellen. Wenn du nicht den Sex hast, den du dir wünschst, dann bist du in guter Gesellschaft. So geht es nämlich den meisten Menschen. Nur trauen sich die wenigsten, das auch zuzugeben.

Ich muss gut sein im Sex...

Viele verstehen Sex als eine Art Prüfung: Entweder kannst du es und erhältst eine gute Note oder du kannst es nicht und fällst durch. Zudem solltest du es, so die Vorstellung, auf Anhieb können, gleich beim ersten Mal. Aber: Gerade im Sex ist es wichtig, einander nicht auf die Probe zu stellen und Noten zu erteilen, sondern sich gegenseitig darin zu unterstützen, das weite Feld sexueller Lust zu entdecken und Erfahrungen zu sammeln. Schliesslich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen – man muss ja alles üben dürfen. Dazu ist es nötig, dass ihr miteinander über eure Wünsche und Fantasien sprecht. Du solltest wissen, was dir gefällt und gut tut. Du solltest dies auch mitteilen können und auch sagen können, wovor du vielleicht Angst hast, was du noch nie gemacht hast, aber gerne ausprobieren möchtest usw. Das braucht zunächst ein wenig Mut, aber mit der Zeit geht es ganz locker.

Sex ist vor allem Geschlechtsverkehr...

Viele Menschen – vor allem auch junge – denken, beim richtigen Sex müsse der Mann immer mit seinem Penis in die Scheide der Frau eindringen. Alles andere sei sozusagen nur Vorgeplänkel, Anfängersex oder sogar pervers. Das stimmt nicht. Zum Sex gehört viel mehr als nur das immer gleiche Steckdosenspiel, nämlich z.B. zärtliches Massieren, die Achselhöhle mit der Zunge erforschen, den Duft der Haare riechen, sanft ins Ohrläppchen beissen und vieles mehr. Je mehr du dich traust, deinen Wünschen und deiner Fantasie freien Lauf zu lassen und die Fantasien deines Gegenübers auszuprobieren, desto reicher und schöner kann euer Sex werden.

Männer und Frauen haben die gleiche Sexualität ...

Immer wieder zeigt sich, dass dies nicht stimmt. Frauen haben in Sachen Sex doch andere Empfindungen und Wünsche als Männer. Frauen mögen eher Sex mit jemandem, dem sie vertrauen, legen Wert auf gute Gespräche, Zärtlichkeit, Geborgenheit, das Zeigen von Gefühlen usw. Männer mögen eher das sexuelle Abenteuer, sind oft nicht auf lange Diskussionen aus und können ihre Gefühle vielleicht nicht so gut zeigen. Das sind aber nur Tendenzen! Wie Frauen und Männer ihre Sexualität leben, ist vor allem abhängig von der Konstellation der Partner und davon, wie stark sie sich mit den gesellschaftlichen Rollenerwartungen, die auch in Bezug auf Sexualität wirksam sind, identifizieren.

Sexualität ist vor allem etwas für junge Menschen...

Dass Kinder und alte Menschen keine Sexualität haben, ist ein verbreitetes Missverständnis. Wie gesagt: Zu Sexualität gehört mehr als nur Geschlechtsverkehr, nämlich kuscheln, streicheln, schmusen, küssen usw. So haben auch Kinder eine Sexualität. Sie tun dies alles nämlich gern. Zudem erforschen sie von sich aus ihren Körper – vielleicht auch den anderer Kinder – und merken bald, wo Berührungen lustvoll sind und wo nicht. Solche Erfahrungen sollen Kinder auch machen dürfen, denn diese sind wichtig für die Entwicklung einer gesunden Sexualität. Mit der Pubertät verändert sich die Sexualität, der Mensch wird reifer und mehr auf ein Gegenüber bezogen.

In den mittleren Lebensjahren leben viele Menschen Sexualität in einer langjährigen Beziehung, und der Beruf und/oder die eigene Familie stehen sehr im Vordergrund. Es kann sein, dass Sexualität in dieser Lebensphase vorübergehend in den Hintergrund rückt. Im Alter verändert sich die Sexualität erneut. Die Menschen haben wieder mehr Zeit und Musse. Die Sexualität wird vielleicht wieder intensiver, wenn auch weniger stürmisch, wenn vom Körper her gewisse Einschränkungen auftreten, dafür umso zärtlicher. Aber, ganz entgegen der vorherrschenden Meinung, leben viele Menschen ihre Sexualität bis ins hohe Alter. Die Sexualität unterscheidet sich also je nach Lebensabschnitt und ist von Mensch zu Mensch verschieden. Es gibt auch Zeiten im Leben eines Menschen, wo er oder sie keine Sexualität leben kann oder leben möchte. Das solltest du wissen und respektieren.

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