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Häufige Fragen

Wie kann ich alleine wohnen?

Frage: Ich (17, männlich) will und kann nicht mehr zu Hause leben. Deshalb habe ich mich entschieden, eine andere Wohnmöglichkeit zu suchen, habe aber nur ungefähr 300 Fr. im Monat zur Verfügung. Was habe ich für Möglichkeiten?

Antwort: Es gibt Situationen, wo tatsächlich ein Auszug aus dem Elternhaus das Beste ist. Deshalb kann ich deinen Entscheid verstehen. Bevor ich zu möglichen Lösungen komme, will ich dir nur für alle Fälle einen kritischen Denkanstoss geben: Es kann vorkommen, dass man in gewissen Situationen überreagiert, und zwar auf beiden Seiten, sowohl auf der Seite der Eltern als auch auf deiner Seite - und es kann auch vorkommen, dass ein offenes und mutiges Gespräch die Situation stark zu entspannen vermag. Du kannst auch Unterstützung für ein solches Gespräch bekommen, und zwar auf einer Jugendberatungsstelle in deiner Wohnregion.

Ich gehe davon aus, dass du gute Gründe hast für deinen Entscheid und dir der Sache sicher bist. 300 Fr. sind sehr wenig; deshalb sind deine Möglichkeiten begrenzt. Ich sehe folgende: 1. Du kannst dich auf dem Sozialamt (in grösseren Städten gibt es innerhalb des Sozialamtes ein Jugendamt, in kleineren Gemeinden eine Vormundschaftsbehörde) deiner Wohngemeinde melden und dein Problem schildern. Je nach der Einschätzung der Lage wird vielleicht eine Fremdplatzierung für dich arrangiert. In einem solchen Fall würde auch die Finanzierung für dich geregelt. Du kannst auch nur unverbindlich anfragen. 2. Wenn du auf eigene Faust suchen willst, sehe ich die Möglichkeit, dass du in einem Lehrlingsheim oder einem Personalhaus unterkommen könntest. Frage deinen Lehrmeister oder - wenn du zur Schule gehst - deinen Lehrer oder deine Lehrerin. Du kannst auch das Amt für Berufsbildung und Berufsberatung deines Wohnkantons anrufen. Da erfährst du, wo es Lehrlingsheime gibt, wieviel sie kosten und wie die Aufnahmebedingungen aussehen. 3. In gewissen Orten gibt es Jugendheime der Kirchgemeinden. Du kannst also die Kirchgemeinden deiner Wohngemeinde anrufen und fragen, wo das nächste kirchliche Jugendheim ist. Da sind die Preise oft ziemlich niedrig. 4. Schliesslich kannst du in deinem Freundeskreis fragen, ob jemand selbst bereit ist, dich gegen eine Kostenbeteiligung aufzunehmen, oder wenigstens jemanden wüsste, der dich aufnehmen würde. Dies wäre allerdings nur eine vorübergehende Notfalllösung, die nur in Frage kommt, wenn du weisst, wie es danach weitergehen soll. 

Weil du noch nicht 18 Jahre alt bist, kommst du nicht darum herum, mit deinen Eltern deine Wohnsituation zu besprechen. Sie sind nämlich gesetzlich dazu verpflichtet, für deinen Unterhalt aufzukommen, und haben die Obhutspflicht über dich, d.h. du darfst ohne die Erlaubnis deiner Eltern nicht von zu Hause weglaufen. Aber vielleicht findest du eine Lösung, womit deine Eltern einverstanden sind. Wenn du das Gefühl hast, dass du allein nicht zurecht kommst, empfehle ich dir, dich auf einer Jugendberatungsstelle zu melden. Du findest die Kontaktdaten auf 147.ch >Beratungsstelle >Alle Sorgen. Es gibt sie in den meisten grösseren Orten und du bekommst da unentgeltlich Unterstützung von Leuten, die dich verstehen und dir helfen, nach einer Lösung in deinem Sinn zu suchen. Guten Mut zum nächsten Schritt. Dein 147.

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