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Wissenschaft

Die Wissenschaft versucht, zu gültigen Aussagen über die Welt zu gelangen. Sie unternimmt dazu viele Anstrengungen und hat nicht wenige Erfolge zu verbuchen. Aber die Meinungen über sie gehen weit auseinander.

Viele Menschen denken, dass die Wissenschaft schlecht sei. Die Wissenschaft ist in den letzten Jahrzehnten ziemlich in Verruf geraten. Warum? Wahrscheinlich vor allem aus den den folgenden drei Gründen:

(A) Sie hat viele grosse Probleme der Menschheit – zum Beispiel Hungerkatastrophen, Epidemien, Kriege – nicht aus der Welt schaffen können.

(B) Sie hat viele Rätsel – zum Beispiel die Fragen nach der Weltformel, nach vielen Vorgängen im menschlichen Körper und im Universum – noch nicht ganz lösen können.

(C) Und schliesslich: Sie hat viele zusätzliche Probleme mit sich gebracht. Denke nur an die vielen hoch technisierten Waffen, an die wachsende Umweltbelastung durch Abgase, giftige Chemikalien, radioaktive Abfälle usw.

Kein Wunder also, dass viele Menschen nicht besonders gut von der Wissenschaft denken. Dabei vergessen sie aber eines: Die Wissenschaft hat sehr viel dazu beigetragen, das Leiden auf der Welt zu vermindern und das Leben angenehmer zu gestalten. Einige Beispiele:

(A) Die Fortschritte in der Medizin haben dazu geführt, dass heute viele Krankheiten früh erkannt und durch Medikamente und chirurgische Eingriffe geheilt werden können. Mit Antibiotika können Entzündungen geheilt werden, die früher zum Tod geführt hätten, und mit Hilfe der Impfung brechen gefährliche Krankheiten – zum Beispiel Pocken, Kinderlähmung, Starrkrampf usw. – gar nicht mehr aus.

(B) Durch die Verbesserung der Hygiene im täglichen Leben (Kläranlagen, Trinkwasseraufbereitung, Kanalisation, Kehrrichtentsorgung, Kühlschränke usw.) sind bei uns die grossen Seuchen – zum Beispiel Pest, Typhus und Cholera – sozusagen verschwunden.

(C) Dank der Fortschritte in der Psychiatrie und der Hirnforschung versteht man viele Reaktionsweisen der Menschen besser und legt zum Beispiel psychisch Kranke nicht mehr in Ketten und sperrt sie nicht mehr in Käfige.

(D) Durch die Reise- und Kommunikationsmöglichkeiten ist die Welt zu einem Dorf geworden. Man lernt andere Lebensgewohnheiten und Weltsichten kennen und nimmt am Weltgeschehen teil. Die Folge davon könnte sein, dass man toleranter ist gegenüber Fremdem und sich darum bemüht, möglichst viel Leid zu verhindern.

(E) Die Erkenntnisse der Rechtswissenschaften und ihre Verbreitung haben dazu beigetragen, dass in vielen Ländern Staatsformen entstanden sind, die sich um Gerechtigkeit bemühen und die Menschenrechte wahren.

Wir wissen also heute dank dem wissenschaftlichen Fortschritt eine ganze Menge – und zwar nicht nur unwichtige Einzelheiten, sondern Dinge von grossem praktischem Nutzen, die uns viele Erkenntnisse und ein erstaunliches Verständnis der Welt vermitteln können. Gleichzeitig wissen wir aber sehr wenig. Gerade durch den wissenschaftlichen Fortschritt stossen wir auf immer neue ungelöste Probleme und merken, dass viel, was uns wahr scheint, sich später als Irrtum herausstellt. Es ist eine Herausforderung, den scheinbaren Widerspruch zwischen unserem grossen Wissen und unserem gleichzeitigen grossen Unwissen auszuhalten und die Wissenschaft deshalb weder zu überschätzen noch zu verdammen.

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