23. JANUAR 2026
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MENTAL HEALTH & SELBSTFÜRSORGE
Entscheiden: Wie finde ich heraus, was ich will?

Das Wichtigste in Kürze 👇:
- Du bist nicht allein: Sich zu entscheiden, fällt vielen schwer.
- Es gibt keine perfekte Entscheidung – fast jede hat Vor- und Nachteile.
- Mit jedem Entscheid findest du besser heraus, was du willst und was zu dir passt.
- Lerne Strategien zu nutzen: Sie sind wie Wegweiser im Dickicht und unterstützen dich dabei, die beste Wahl für dich zu treffen.
Alle unsere Texte entstehen in enger Zusammenarbeit mit Beratenden von 147.
Lehre abbrechen oder durchziehen? Blauer Pulli oder grauer Hoodie? Sich outen oder zuwarten? Sich trennen oder bleiben? Lehre oder Gymi? Entscheidungen fordern uns heraus. Manche fällst du ganz leicht, andere sind kniffliger und bedeuten Stress. Das ist ganz normal und geht allen so.
«Wer die Wahl hat, hat die Qual», weiss der Volksmund schon lange. Die gute Nachricht: Es gibt Strategien, die dich dabei unterstützen, die beste Wahl für dich zu treffen. Eine Wahl, die sich stimmig für dich anfühlt. Das heisst nicht, dass sie deswegen perfekt ist.
Vielleicht fühlst du dich blockiert, weil du eine 100 Prozent richtige Entscheidung fällen willst und dich vor einer falschen Wahl fürchtest. Doch wofür oder wogegen du dich auch entscheiden wirst: Es gibt kaum nur Vorteile. Selbst der richtige Entscheid kann negative Aspekte haben. Und es gibt auch keine falschen Entscheidungen. Manchmal ist es einfach so, dass du etwas ausprobieren musst, um herauszufinden, ob es zu dir passt oder nicht.
Mit jeder Entscheidung lernst du viel über dich selber. Du findest immer besser heraus, was du wirklich willst. «Wer A sagt, muss nicht unbedingt B sagen, er kann auch erkennen, dass A falsch war», sagte der Schriftsteller Bertolt Brecht. Wenn du zuerst einen Weg einschlägst, der sich später als nicht stimmig erweisen sollte, kannst du abzweigen, die Richtung wechseln oder umkehren. Im Gepäck hast du dann eine wichtige Erfahrung. Sie ist der Proviant für deinen weiteren Weg.
Ich kann mich nicht entscheiden! 😣
In einem ersten Schritt lohnt es sich, genau hinzuschauen. Was macht das Entscheiden für dich – und viele andere – so schwierig? Mögliche Gründe sind:
- Angst, den Entscheid später zu bereuen.
- Zu viele Möglichkeiten, die dir gefallen.
- Druck und Erwartungen durch dein Umfeld oder Social Media.
- Angst, negativ bewertet zu werden.
- Angst, jemanden zu enttäuschen oder zu verletzen.
- Du kennst dich und deine Werte noch nicht gut genug.
- Dein Kopf und dein Herz wollen nicht dasselbe – du erlebst einen inneren Konflikt.

Hilfreiche Strategien
1. Überlege dir, was passieren könnte
Frage dich: Was ist das Schlimmste, was mir mit diesem Entscheid passieren könnte? Und umgekehrt: Was wäre das Beste? Und schliesslich: Was ist das Wahrscheinlichste? Je deutlicher sich das Bild in deinem Kopf formt, desto leichter wirst du dich entscheiden können. Denn manchmal halten uns irrationale Ängste zurück.
2. Sammle Informationen und lerne deine Werte kennen
Unsicherheiten entstehen, wenn du zu wenig weisst oder du dich selber noch nicht gut genug kennst, um zu wissen, was zu dir passt oder was du wirklich willst.
- Sammle Informationen. Geht es beispielsweise um deine Berufswahl, sind ein Besuch beim BIZ, eine Berufsberatung oder eine Schnupperlehre empfehlenswert.
- Überlege dir, was deine Stärken sind und wo du sie am besten einbringen kannst.
- Tipp: Beim Wertetest findest du heraus, welche deine Hauptwerte sind. So weisst du, was dir in deinem Leben wirklich wichtig ist. Welche Option passt am besten dazu? Je mehr deine Entscheidung zu deinen Werten passt, desto stimmiger fühlt sie sich an.
3. Perspektivenwechsel
Manchmal kann es hilfreich sein, die Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
- Mach eine kleine Zeitreise: Stell dir vor, du bist zehn Jahre älter. Welche Entscheidung würdest du aus dieser Zukunftsperspektive treffen?
- Wenn jemand aus deinem Umfeld vor dieser Entscheidung stünde: Was wäre dein Rat? Wenn es andere betrifft, erscheint uns der Weg oft klarer.
- Suche das Gespräch mit einer Vertrauensperson. Sie hat einen anderen Blick auf die Dinge und sieht vielleicht Aspekte, an die du noch gar nicht gedacht hast. Und manchmal lassen sich die Gedanken bereits beim Erzählen sortieren. Wenn du nicht weisst, wem du dich anvertrauen kannst, sind wir für dich da – per WhatsApp, Mail und telefonisch.
4. Auswahl verkleinern
Je grösser die Auswahl, desto schwieriger der Entscheid. Das ist vor dem Joghurtregal genauso wie bei den wichtigen Dingen im Leben. Erstelle eine Liste mit den Möglichkeiten, die für dich infrage kommen. Streiche nach dem Ausschlussverfahren alle bis auf zwei Favoriten. Es ist einfacher, sich nur zwischen zwei Optionen zu entscheiden. Tipp: Vielleicht gibt es nicht nur ein Entweder-oder, sondern die Favoriten lassen sich kombinieren oder auch nacheinander verwirklichen?
5. Gefühle und Körperempfindungen wahrnehmen
- Höre auf dein Bauchgefühl. Was würdest du spontan wählen? Der erste spontane Impuls ist meist die Antwort darauf, was dir wichtig ist – bevor sich der Verstand einschaltet oder du dir überlegst, was die anderen dazu sagen könnten oder wie du es umsetzen kannst.
- Wie fühlen sich die verschiedenen Optionen an? Mach die Augen zu. Stell dir vor, du hast dich bereits entschieden. Wie fühlt sich das an? Achte auf die Signale deines Körpers. Spürst du Widerstand und Anspannung – oder Erleichterung? Wiederhole es mit den anderen Optionen. Wie reagiert dein Körper?
6. Übungen bei inneren Konflikten
Dein Herz sagt Ja, aber dein Kopf widerspricht? Du fühlst dich innerlich zerrissen, weil mal der Kopf, mal der Bauch lauter ist und dich in verschiedene Richtungen ziehen? Lass alle drei zu Wort kommen. Dafür kannst du für jeden Anteil (also Bauch, Herz, Kopf ...) symbolisch einen Stuhl aufstellen. Setze dich auf den betreffenden Stuhl und versuche, die Option aus diesem Anteil heraus zu sehen. Was sind die Anliegen, Bedürfnisse und Befürchtungen? Überlege, wie du bei einem Entscheid alles berücksichtigen kannst. Vielleicht findest du einen Mittelweg, zu dem Bauch, Herz und Kopf Ja sagen können?
7. Erweiterte Pro-und-Kontra-Liste
Eine gute Methode bei für dich wichtigen Entscheidungen ist die Pro-und-Kontra-Liste: Zeichne vier Felder auf ein Blatt Papier. Ins Feld oben links kommen alle kurzfristigen, oben rechts alle langfristigen Vorteile. Unten links die kurzfristigen Nachteile, daneben die langfristigen Nachteile. Nun wägst du ab, was schwerer wiegt: die kurzfristigen Nachteile (zum Beispiel deine Angst vor Veränderung) oder die langfristigen Vorteile (zum Beispiel, einen neuen Beruf zu wählen, der besser zu den eigenen Stärken passt). Zusätzlich kannst du jedem Punkt eine Zahl von 1 bis 5 vergeben, je nachdem wie bedeutend das Plus oder Minus für dich ist. So siehst du rasch, welche Option besser passt.
Zum Entscheid stehen 💪
Egal, wofür du dich entscheidest: Nicht alle werden es gut finden oder verstehen. Das ist in Ordnung so. Lasse dich davon nicht verunsichern. Hole dir Unterstützung bei Menschen, die deinen Entscheid mittragen. So bist du bei Widerstand nicht allein. Wichtig ist: Du hast eine Wahl getroffen – für dich. Dieser Entscheid brauchte Mut. Statt dich zu rechtfertigen, kannst du einfach sagen: «Ich verstehe, dass du Mühe damit hast.» So gehst du auf dein Gegenüber ein und vermeidest gleichzeitig eine endlose inhaltliche Diskussion. Dein Ja zu deinem Entscheid ist ein Ja zu dir.