13. MÄRZ 2023
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GEWALT
Schluss mit Gewalt – wie du gewalttätiges Verhalten stoppen kannst

- Bist du oft voller Wut, Frust, Trauer oder Hass?
- Hast du Gewalt-Fantasien, wie und wann du einer Person Schaden zufügen könntest oder dich rächen könntest?
- Merkst du nicht mehr, wenn dein Gegenüber etwas nicht will?
- Überschreitest du immer wieder Grenzen oder befürchtest du, dies demnächst zu tun?
- Tust du Menschen, die du liebst, immer wieder psychisch oder körperlich weh – obwohl du sie nicht verletzen willst?
- Passiert «es» manchmal einfach und weisst du nicht, wie du deine Ausbrüche kontrollieren kannst?
- Hast du eine Straftat begangen?
- Bist du in Gruppen unterwegs, die Gewalt ausüben?
Wenn du eine oder mehrere dieser Fragen mit Ja beantwortest, ist es Zeit, zu handeln! Denn du schadest damit dir selbst und anderen Menschen.
Gewalt und Aggression 💥
Gewalt hat immer eine Botschaft. Einerseits gegenüber der betroffenen Person. Gewalt zeigt, dass man der Person nicht mehr zuhören möchte. Andererseits auch gegenüber der Gesellschaft. Personen, die Gewalt anwenden, haben zu wenige Strategien, um mit der Welt umzugehen. Oder sie fühlen sich nur dann selbstwirksam, wenn sie Gewalt ausüben und so Macht, Kontrolle und Prestige erlangen.
Aggression ist ein Verhalten, das darauf abzielt, andere Personen gegen ihren Willen zu schädigen oder ihnen weh zu tun. Es gibt dabei eine große Bandbreite von aggressivem Verhalten:
- Körperliche Aggression: schlagen, kratzen, würgen, schubsen, etwas zerstören
- Verbale Aggression: beschimpfen, anschreien, verspotten, abwerten, drohen
- Nonverbale Aggression: Symbole wie drohende Faust, böse Blicke, Mittelfinger
- Relationale Aggression: jemanden ausgrenzen, ignorieren, verleumden
Gewalt ist Teil des Aggressionsverhaltens und meint schwerwiegende Formen wie körperliche Angriffe, Einsatz von Waffen, psychische und physische Misshandlungen. Alle Gewalthandlungen werden als aggressiv gewertet, jedoch nicht alle aggressiven Verhaltensweisen sind als Gewalt zu betrachten.
Gewalttätiges Verhalten ist erlernt 📖
Das männliche Geschlecht ist der grösste Risikofaktor, um gewalttätiges Verhalten zu zeigen. Denn viele Männer lernen von klein auf, keine Schwäche zu zeigen, sich zu behaupten und andere als Konkurrenz zu sehen. Auch schwierige Familienverhältnisse, Armut, Sucht oder psychische Probleme können Gewalt begünstigen. Ebenso Rassismus und Frauenfeindlichkeit. Das heisst nicht, dass alle Jungen und Männer per se gewalttätig sind. Und es rechtfertigt auch nicht das Ausüben von Gewalt.
Tipps, wie du in Momenten von aufkeimender Aggression reagieren kannst 📝
- Entscheide dich dafür, ab sofort keine Grenzen mehr zu überschreiten.
- Anerkenne deine vielen verschiedenen intensiven und überwältigenden Gefühle. Es ist okay, dass sie da sind.
- Lerne deinen Körper wahrzunehmen. Welche Frühwarnsignale nimmst du wahr (z. B. Muskelanspannungen, erhöhter Puls)?
- Verlasse die Situation frühzeitig und geh weg.
- Wende die 5-Sekunden-Regel an: 5 Sekunden innehalten, anstelle sofort zu reagieren.
- Lenke deine Energie um: Sprinte los, bis du nicht mehr kannst – und renne noch ein bisschen weiter.
- Versuche später und in Ruhe mögliche Auslöser für deine Aggression zu erkennen. Welche Bedürfnisse stecken hinter deinem Verhalten
- Versuche alternative Verhaltensweisen für dich zu finden und studiere diese ein.
Raus aus der Gewaltspirale: Erste Schritte 🌀
Es gibt andere Möglichkeiten, mit dir und der Welt klarzukommen, als Gewalt. Wenn du dich mit deiner Geschichte auseinandersetzt und dir professionelle Beratung holst, kannst du aus der Gewaltspirale ausbrechen und zu dir zurückfinden.
Wenn irgendetwas in dir drin weiss, dass es nicht gut ist, was du tust, ist das bereits ein Anfang. Denn zuallererst musst du vor dir selbst zugeben, was du tust. Doch es braucht noch mehr, damit du dein Verhalten ändern kannst:
- Anerkenne, dass du es in der Hand hast, ob du damit weitermachen willst oder nicht.
- Sei bereit, etwas zu ändern.
- Sprich mit einer Fachperson über das Vergangene und deine Veränderungswünsche.
Auch wenn du das noch nicht alles kannst, macht es Sinn, wenn du dich an eine spezialisierte Beratungsstelle wendest. Dort schaut man gemeinsam mit dir die nächsten Schritte an. Auf der Webseite Fachstelle Gewalt findest du Adressen.
Wie ein Leben ohne Gewalt aussieht ☀️
Du kannst viel gewinnen, wenn du dein Verhalten mit professioneller Unterstützung verändern lernst:
- Du bist versöhnlich mit dir und bist mit dir im Reinen.
- Du weisst, wer du bist und dass du mit schwierigen Situationen ohne Gewalt umgehen kannst.
- Du führst ein Leben in Würde und hast dich auch in schwierigen Situationen unter Kontrolle.
- Du bist dir bewusst, weshalb du Gewalt angewendet hattest und kannst dir verzeihen.
- Du hast deine Gewalttaten aufgearbeitet und Wiedergutmachungen für deine Opfer geleistet.
- Du bekommst ein besseres Selbstwertgefühl und wirst selbstsicherer.
- Du senkst das Risiko, dass du im Gefängnis landest und deine berufliche und familiäre Zukunft zerstörst.
- Du schaffst die Grundlage für gute Beziehungen und Freundschaften.
- Du entwickelst Strategien, mit Stress und Frust umzugehen, und gewinnst damit mehr Freiheit und Zufriedenheit.
Es lohnt sich, so rasch wie möglich einen Termin bei einer Beratungsstelle abzumachen, denn nur so verändert sich etwas. Das kann beispielsweise die Schulsozialarbeit oder eine Fachstelle für gewaltausübende Personen sein.