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13. MÄRZ 2023
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MENTAL HEALTH & SELBSTFÜRSORGE

Trauer verstehen: Umgang mit Verlust und Tod

Trauer verstehen: Umgang mit Verlust und Tod
Manchmal verändert ein Verlust alles. Vielleicht hast du einen Freund, eine Freundin oder eine Schulkollegin bei einem Unfall verloren. Vielleicht ist ein Elternteil gestorben, die Grossmutter oder ein geliebtes Haustier. Egal, wer fehlt – der Schmerz kann überwältigend sein. Manche weinen viel und wollen reden, andere ziehen sich zurück oder lenken sich ab, um nicht daran denken zu müssen. Trauer zeigt sich bei jedem Menschen anders. Und genau das ist okay. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg zu trauern.

Was bedeutet Trauern? Jeder Mensch trauert anders

Trauern ist die normale Reaktion auf einen Verlust. Jeder Mensch trauert auf seine eigene Weise und in seinem Tempo. Manche Menschen drücken ihre Gefühle sehr intensiv aus, indem sie z.B. viel weinen und sich viel mit dem Verstorbenen und dem Verlust beschäftigen. Manchen Menschen wiederum sieht man ihre Trauer kaum an. Sie trauern entweder im Stillen für sich oder lenken sich ab, indem sie sich auf den Alltag fokussieren und funktionieren. Die Art wie jemand trauert, lässt keinen Rückschluss darauf, wie sehr jemand leidet und vom Verlust betroffen ist. Manchmal kann es verunsichernd sein, wenn man nicht auf die Art trauert, wie sie vielleicht vom Umfeld erwartet wird. Manche Betroffene haben zum Beispiel ein schlechtes Gewissen, wenn sie nicht weinen können. Manchmal kann man zu Beginn nicht weinen, weil man noch unter Schock steht und man den Tod noch nicht richtig realisieren kann. Alle Reaktionen sind grundsätzlich normal. Wichtig ist, dass du für dich spürst, was du brauchst und was dir guttut. Das kann für jede Person etwas anderes sein. **Du darfst auf deine Weise trauern. **

«Menschen erleben die Trauerphasen wellenförmig und unterschiedlich lang und intensiv.»

Trauerreaktionen

Der Verlust einer geliebten Person kann ganz viele unterschiedliche Gefühle auslösen: Traurigkeit, Wut, Schuldgefühle, Angst, Einsamkeit, aber auch Gefühllosigkeit und Leere. Trauer kann auch unterschiedliche Gedanken auslösen und viele Fragen aufwerfen: Warum ist die Person gestorben? Hätte ich etwas tun können, um es zu verhindern? Wo ist die verstorbene Person jetzt? Was passiert nach dem Tod? Wie soll ich ohne die verstorbene Person weiterleben?

Trauer kann auch körperliche Reaktionen auslösen, wie Schlafschwierigkeiten, Alpträume, Appetitlosigkeit, etc.

Was immer du gerade fühlst oder denkst, alles ist richtig.

Traueraufgaben

Der Trauerforscher William Worden entwickelte ein Modell nach dem Trauernde in ihrem Trauerprozess verschiedene Aufgaben bewältigen müssen. Diese Aufgaben sind jedoch keine festgeschriebenen Aufgaben und müssen auch nicht der Reihe nach erledigt werden, oft ist es eher ein hin und her pendeln. Sie sollen Trauernden Orientierung geben. Der Trauerprozess ist jedoch sehr individuell.

Der Verlust eines geliebten Menschen kommt meist sehr unerwartet und fühlt sich zu Beginn oft unreal und unwirklich an, selbst bei erwarteten Todesfällen. Man kann nicht glauben, dass die geliebte Person wirklich tot ist. Es braucht Zeit, um den Verlust wirklich zu begreifen.

Hilfreich hierfür ist der Abschied von der verstorbenen Person, indem man sie nochmals sieht oder an der Beerdigung teilnimmt. Auch Abschiedsrituale können dabei helfen, den Verlust besser zu realisieren.

Erst nach und nach mit der Zeit wird der Verlust in seiner ganzen Tragweite begriffen, wenn man in gewissen Alltagssituationen oder besonderen Tagen, wie Geburtstage und Feiertage merkt, dass die verstorbene Person fehlt. In solchen Momenten wird der Verlust wieder deutlich spürbar und starke Trauerreaktionen können aufkommen.

Der Verlust einer geliebten Person kann ganz viele unterschiedliche Gefühle auslösen: Traurigkeit, Wut, Schuldgefühle, Angst, Einsamkeit, aber auch Gefühllosigkeit und Leere.

Bei dieser Traueraufgabe geht es darum, alle Gefühle zuzulassen und zu fühlen, was da ist, auch widersprüchliche Gefühle.

Es kann hilfreich sein, Möglichkeiten zu finden, die aufkommenden Gefühle auszudrücken. Gefühle kann man auf ganz unterschiedliche Weise ausdrücken, indem man sie aufschreibt oder darüber spricht, indem man Sport treibt, tanzt oder schreit, indem man sie malt oder zeichnet, aber auch durch Musik und Spiel.

Der Verlust einer nahestehenden Person kann viele Veränderungen nach sich ziehen. Wenn zum Beispiel ein Elternteil stirbt, kann sich der gewohnte Alltag stark verändern. Zu Beginn können die Veränderungen sehr überfordernd sein. Es kann sein, dass du zu Hause mehr Verantwortung übernehmen musst. Vielleicht fühlst du dich auch plötzlich sehr einsam, wenn die verstorbene Person, die einzige Vertrauensperson war und du nun nicht weiss, wem du dich anvertrauen sollst.

Bei dieser Traueraufgabe geht es darum zu lernen, einen Umgang mit den einhergehenden Veränderungen zu finden.

Diese Traueraufgabe beinhaltet zwei Aspekte. Einerseits geht es darum, Möglichkeiten zu finden, die verstorbene Person in unserem Herzen zu bewahren, uns an sie zu erinnern und auf eine neue Weise mit ihr in Verbindung zu bleiben. Manche Menschen fühlen sich der verstorbenen Person nahe, wenn sie auf den Friedhof gehen oder persönliche Gedenkorte besuchen. Wiederum andere, wenn sie Fotos oder Erinnerungsgegenstände anschauen.

Gleichzeitig geht es bei dieser Aufgabe auch darum, dennoch nach Vorne zu schauen und das eigene Leben weiterzuleben.

Dein Leben hat sich wahrscheinlich durch den Verlust verändert. Es wird nie mehr so sein wie es vorher war. Dennoch wird es irgendwann wieder gut werden, einfach anders. Du darfst wieder glücklich sein. Das bedeutet nicht, dass du die verstorbene Person nicht liebst oder vergessen hast. Jedoch ist es normal, dass sich die Trauer im Laufe der Zeit verändert und immer mehr in den Hintergrund tritt. Irgendwann werden die Erinnerungen an die verstorbene Person nicht mehr so weh tun, sondern sie werden dich vielleicht sogar zum Lächeln bringen und mit einer tiefen Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit erfüllen.

Wenn deine Eltern trauern

Bei einem Todesfall in der Familie bemerkst du vielleicht, dass es deinen Eltern oder einem Elternteil sehr schlecht geht. Das kann sehr verunsichernd und beängstigend sein. Es kann sein, dass du versuchst, viel Verantwortung zu übernehmen (viel mithelfen zuhause, auf jüngere Geschwister aufpassen) und deine eigene Trauer nicht zeigst und deine Bedürfnisse unterdrückst, um deine Eltern zu entlasten und nicht zusätzlich zu belasten. Auch du darfst trauern und deine Bedürfnisse sind wichtig! Gibt es vielleicht andere Vertrauenspersonen, wie Verwandte oder die Schulsozialarbeit, die für dich da sein können und wo deine Trauer Raum haben könnte?

Tipps um besser mit der Trauer umzugehen

  • Wenn möglich und du das möchtest: Die verstorbene Person nochmals sehen und ihr etwas zum Abschied sagen

  • An der Beerdigung teilnehmen

  • Der verstorbenen Person einen Abschiedsbrief schreiben, in der du ihr all das schreibst, was du ihr noch sagen wolltest. Du kannst ihr auch eine Zeichnung malen. Du kannst daraus einen Abschiedsritual machen, indem du deinen Abschiedsbrief oder deine Zeichnung symbolisch übergibst, z.B. indem du sie auf dem Grab legst, oder sie zu einem Schiffchen faltest und das Schiffchen auf einen Fluss setzt und wegfliessen lässt, oder an einen Luftballon befestigst, den du dann fliegen lässt.

  • Sprich mit einer Vertrauensperson über deine Gefühle, Gedanken und Fragen, die aufkommen
  • Male, zeichne, modelliere, musiziere, spiele, schreibe Tagebuch oder ein Gedicht, um den Verlust besser zu begreifen und deine Gefühle auszudrücken
  • Manche Gefühle wollen auch körperlich ausgedrückt würden: treibe Sport, boxe gegen ein Kissen, schreie
  • Lies (Bilder-)Bücher zum Thema Tod, Trauer und Abschied: Dies kann dabei helfen, deine Gefühle besser zu verstehen und dich damit auseinanderzusetzen
  • Buch-Tipp: «Geht Sterben wieder vorbei?» Von Mechthild Schroeter-Rupieper: Dieses Buch beantwortet häufige Kinderfragen zum Thema Tod und Trauer
  • Schliess dich einer Trauergruppe für Kinder und Jugendliche an: Austausch mit Gleichaltrigen, die ebenfalls trauern, ist oft hilfreich, da sich Betroffene mit ihrer Trauer oft alleine und unverstanden fühlen
  • Achtung: Vielleicht denkst du, Alkohol und andere Suchtmittel lindern den Schmerz. Sie helfen vielleicht kurzfristig, die Gefühle zu betäuben, aber sie stören den Trauerprozess und können süchtig machen.
  • Trauer ist eine normale Reaktion auf einen Verlust und benötigt in der Regel keine Therapie. Dennoch kann manchmal eine Trauerbegleitung hilfreich sein, wenn die Trauergefühle sehr belastend sind oder wenn du dich mit deiner Trauer alleine fühlst und im Umfeld keine Ansprechperson hast.
  • Bewahre Erinnerungen an die verstorbene Person auf, indem du ein Erinnerungsbuch oder -kiste zusammenstellst (z.B. mit Erinnerungsgegenständen, Fotos, Nachrichten, die ihr ausgetauscht habt, deine Lieblingserinnerungen); das Erinnerungsalbum «Ich habe dich im Herzen» von Petra Jenni-Furrer eignet sich zum Beispiel hierfür sehr gut
  • Gestalte ein Fotoalbum
  • Friedhof oder Orte besuchen, an denen du dich der verstorbenen Person nahe fühlt
  • Fotos, Erinnerungsgegenstände oder Erinnerungsbuch/-kiste anschauen oder Lieblingslieder der verstorbenen Person anhören
  • Innere Dialoge mit der verstorbenen Person führen oder ihr einen Brief schreiben
  • Mit Familie und Freunde über schöne Erinnerungen oder lustige Erlebnisse austauschen, um die verstorbene Person lebendig zu halten
  • An Jahrestagen, wie Geburts- und Todestag, ein kleines persönliches Ritual machen, z.B. eine Kerze anzünden, Blumen auf den Friedhof bringen
  • Es kann hilfreich sein, den normalen Tagesablauf und Gewohnheiten beizubehalten. Routine und Gewohnheiten helfen, indem sie Struktur und Sicherheit geben.
  • Trauern ist anstrengend. Nimm dir genug Zeit für Erholung und Entspannung sowie für Dinge, die dir guttun und Energie schenken.
  • Schöne Dinge, wie Hobbys, Freunde, Partys, Spass und Freude dürfen weiterhin genauso ihren Platz in deinem Leben haben, wie vorher.
  • Der Verlust einer nahestehenden Person kann das ganze Leben erstmal auf den Kopf stellen. Es ist normal, dass man sich fragt, wie man ohne die verstorbene Person weiterleben soll und vorübergehend keinen Sinn mehr sehen kann und ihn neu finden muss. Manchmal kann der Schmerz jedoch so überwältigend sein, dass er sich unaushaltbar anfühlt und sogar Suizidgedanken aufkommen können. Dann ist es wichtig, sich professionelle Hilfe zu holen.