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13. MÄRZ 2023
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MENTAL HEALTH & SELBSTFÜRSORGE

Trauer verstehen: Umgang mit Verlust und Tod

Trauer verstehen: Umgang mit Verlust und Tod
Manchmal verändert ein Verlust alles. Vielleicht hast du eine*n Freund*in, oder ein Klassengspänli bei einem Unfall verloren. Vielleicht ist ein Elternteil gestorben, die Grossmutter oder ein geliebtes Haustier. Egal, wer fehlt – der Schmerz kann überwältigend sein. Manche weinen viel und wollen reden, andere ziehen sich zurück oder lenken sich ab, um nicht daran denken zu müssen. Trauer zeigt sich bei jedem Menschen anders. Und genau das ist okay. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg zu trauern.

Das Wichtigste in Kürze: 👇

  • Trauer ist normal, wenn jemand stirbt.
  • Trauer kann viele Gefühle auslösen – oder sich auch wie Leere anfühlen.
  • Sie kann sich auch körperlich zeigen, z. B. durch Schlafprobleme oder Appetitlosigkeit.
  • Trauer braucht Zeit und verläuft nicht in festen Phasen.
  • Du musst da nicht allein durch: Sprich mit einer Vertrauensperson, einer Lehrperson, der Schulsozialarbeit oder einer Beratungsstelle.
  • In diesem Artikel findest du Infos und Tipps, die dir helfen können, besser mit deiner Trauer umzugehen.

Alle unsere Texte entstehen in enger Zusammenarbeit mit Beratenden von 147.

Was bedeutet Trauern? Jeder Mensch trauert anders

Trauern ist die normale Reaktion auf einen Verlust. Jeder Mensch trauert auf seine eigene Weise und in seinem Tempo. Manche Menschen drücken ihre Gefühle sehr intensiv aus, indem sie z.B. viel weinen und sich viel mit der verstorbenen Person und dem Verlust beschäftigen. Manchen Menschen wiederum sieht man ihre Trauer kaum an. Sie trauern entweder im Stillen für sich oder lenken sich ab, indem sie sich auf den Alltag fokussieren und funktionieren. Die Art wie jemand trauert, lässt keinen Rückschluss darauf, wie sehr jemand leidet und vom Verlust betroffen ist. Manchmal kann es verunsichernd sein, wenn man nicht auf die Art trauert, wie sie vielleicht vom Umfeld erwartet wird. Manche Betroffene haben zum Beispiel ein schlechtes Gewissen, wenn sie nicht weinen können. Manchmal kann man zu Beginn nicht weinen, weil man noch unter Schock steht und man den Tod noch nicht richtig realisieren kann. Alle Reaktionen sind grundsätzlich normal. Wichtig ist, dass du für dich spürst, was du brauchst und was dir guttut. Das kann für jede Person etwas anderes sein. **Du darfst auf deine Weise trauern. **

Trauer kann unterschiedliche Reaktionen auslösen

Der Verlust einer geliebten Person kann ganz viele unterschiedliche Gefühle auslösen:

  • Traurigkeit, Wut, Einsamkeit, aber auch Gefühllosigkeit und Leere.

  • Ebenso kann es Angst auslösen, zum Beispiel davor, dass nochmals eine geliebte Person stirbt.

  • Nach einem Todesfall kommen häufig Schuldgefühle auf – selbst wenn keine reale Schuld vorliegt. Du trägst keinerlei Schuld am Todesfall. Auch nicht, wenn ihr Streit hattet oder es dir nicht möglich war, zu helfen.

  • Trauer kann Fragen aufwerfen: Warum ist die Person gestorben? Hätte ich etwas tun können, um es zu verhindern? Wo ist die verstorbene Person jetzt? Was passiert nach dem Tod? Wie soll ich ohne die verstorbene Person weiterleben? Bleib mit deinen Fragen nicht allein. Sprich mit einer Vertrauensperson darüber, was du denkst und was dich beschäftigt.

  • Trauer kann auch körperliche Reaktionen wie Schlafschwierigkeiten, Albträume oder Appetitlosigkeit auslösen.

Was immer du gerade fühlst oder denkst, alles ist richtig.

Achtung: Vielleicht denkst du, Alkohol und andere Suchtmittel lindern den Schmerz. Sie helfen vielleicht kurzfristig, die Gefühle zu betäuben, aber sie stören den Trauerprozess und können süchtig machen.

Tipps, um mit dem Verlust umzugehen

  • Falls es möglich ist und du dies möchtest, kannst du die verstorbene Person nochmals sehen und ihr etwas zum Abschied sagen.
  • Nimm an der Beerdigung teil, wenn du dies möchtest und es dir möglich ist.
  • Du kannst der verstorbenen Person einen Abschiedsbrief schreiben, in dem du ihr all das schreibst, was du ihr noch sagen wolltest. Du kannst ihr auch eine Zeichnung malen.
  • Mach ein Abschiedsritual. Du kannst zum Beispiel deinen Abschiedsbrief, deine Zeichnung oder ein symbolisches Geschenk aufs Grab legen. Du kannst aus dem Papier auch ein Schiffchen falten und das Schiffchen auf einen Fluss setzen und wegfliessen lassen.
  • Bewahre Erinnerungen an die verstorbene Person auf, indem du ein Erinnerungsbuch oder eine -kiste zusammenstellst (z.B. mit Erinnerungsgegenständen, Fotos, Nachrichten, die ihr ausgetauscht habt und Notizen deiner liebsten Erinnerungen). Das Erinnerungsalbum «Ich habe dich im Herzen» von Petra Jenni-Furrer eignet sich zum Beispiel hierfür sehr gut.

  • Gestalte ein Fotoalbum mit Fotos der Person, besonderen Momenten und gemeinsamen Selfies.

  • Besuche den Friedhof oder Orte, an denen du dich der verstorbenen Person nahe fühlst.

  • Schau dir Fotos, Erinnerungsgegenstände, dein Erinnerungsbuch oder deine Erinnerungskiste an. Höre die Lieblingslieder der verstorbenen Person an.

  • Führe einen inneren Dialoge mit der verstorbenen Person oder schreibe ihr einen Brief.

  • Tausche dich mit deiner Familie und Freund*innen über schöne Erinnerungen oder lustige Erlebnisse aus, um die verstorbene Person lebendig zu halten.

  • Mache an Jahrestagen, wie dem Geburts- und Todestag, ein kleines persönliches Ritual. Du kannst zum Beispiel eine Kerze anzünden oder Blumen auf den Friedhof bringen.

  • Es kann hilfreich sein, den normalen Tagesablauf und Gewohnheiten beizubehalten. Routine und Gewohnheiten helfen, indem sie Struktur und Sicherheit geben
  • Trauern ist anstrengend. Nimm dir genug Zeit für Erholung und Entspannung sowie für Dinge, die dir guttun und Energie schenken
  • Schöne Dinge, wie Hobbys, Freunde, Partys, Spass und Freude dürfen weiterhin genauso ihren Platz in deinem Leben haben, wie vorher

Hol dir professionelle Hilfe

Trauer ist eine normale Reaktion auf einen Verlust und benötigt in der Regel keine Therapie. Dennoch kann manchmal eine Trauerbegleitung hilfreich sein, wenn die Trauergefühle sehr belastend sind oder wenn du dich mit deiner Trauer allein fühlst und im Umfeld keine Ansprechperson hast.

Der Verlust einer nahestehenden Person kann das ganze Leben erstmal auf den Kopf stellen. Es ist okay, wenn du dich fragst, wie du ohne die verstorbene Person weiterleben sollst. Gut möglich, dass du vorübergehend keinen Sinn mehr sehen kannst und ihn neu finden musst. Manchmal kann der Schmerz jedoch so überwältigend sein, dass er sich unaushaltbar anfühlt und sogar Suizidgedanken aufkommen . Dann ist es wichtig, sich professionelle Hilfe zu holen.

Oder melde dich jederzeit bei 147 - wir sind da für dich.

Traueraufgaben: So kannst du deinen Verlust verarbeiten

Der Trauerforscher William Worden entwickelte ein Modell, nach dem Trauernde in ihrem Trauerprozess verschiedene Aufgaben bewältigen müssen, um einen Verlust zu verarbeiten. Diese Aufgaben sind jedoch keine festgeschriebenen Aufgaben und müssen auch nicht der Reihe nach erledigt werden. Oft ist es eher ein hin und her pendeln. Die folgenden vier Aufgaben können dir Orientierung geben. Jeder Trauerprozess ist jedoch individuell.

Der Verlust eines geliebten Menschen kommt meist sehr unerwartet und fühlt sich zu Beginn oft unreal und unwirklich an. Du kannst nicht glauben, dass die geliebte Person wirklich tot ist. Es braucht Zeit, um den Verlust zu begreifen.

Erst nach und nach begreifen wir den Verlust in seiner ganzen Tragweite. Etwa, wenn die verstorbene Person in gewissen Alltagssituationen oder an besonderen Tagen, wie Geburtstagen und Feiertagen, fehlt. In solchen Momenten wird der Verlust wieder deutlich spürbar und starke Trauerreaktionen können aufkommen.

Bei dieser Traueraufgabe geht es darum, alle Gefühle zuzulassen und zu fühlen, die durch die Trauer ausgelöst werden. Nimm alle Gefühle wahr, die da sind. Das können auch widersprüchliche Gefühle sein.

Es kann hilfreich sein, Möglichkeiten zu finden, die aufkommenden Gefühle auszudrücken. Du kannst sie auf unterschiedliche Weise ausdrücken. Zum Beispiel:

  • Die Gefühle aufschreiben, sie malen oder zeichnen.
  • Über deine Gefühle sprechen.
  • Sport machen, tanzen oder die Gefühle hinausschreien.
  • Die Gefühle durch Musik oder Spiel ausdrücken.

Manchmal kann es schwierig sein, sich mit den eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen oder sie zu verstehen. (Bilder-)Bücher zum Thema Tod, Trauer und Abschied können dabei helfen. Das Buch «Geht Sterben wieder vorbei?» von Mechthild Schroeter-Rupieper beantwortet häufige Kinderfragen zum Thema Tod und Trauer.

Möglicherweise fühlst du dich auch allein und unverstanden. Das geht vielen Trauernden so. Austausch mit Gleichaltrigen, die ebenfalls trauern, kann hilfreich sein. In vielen Regionen gibt es Trauergruppen für Kinder und Jugendliche.

Der Verlust einer nahestehenden Person kann viele Veränderungen nach sich ziehen. Wenn zum Beispiel ein Elternteil stirbt, kann sich der gewohnte Alltag stark verändern. Zu Beginn können die Veränderungen sehr überfordernd sein. Es kann sein, dass du zu Hause mehr Verantwortung übernehmen musst. Vielleicht fühlst du dich auch plötzlich sehr einsam, wenn deine bester Freund*in verstorben ist und du nun nicht weisst, wem du dich anvertrauen sollst.

Bei dieser Traueraufgabe geht es darum zu lernen, einen Umgang mit den einhergehenden Veränderungen zu finden. Bei dieser Traueraufgabe geht es darum, zu lernen, einen Umgang mit den einhergehenden Veränderungen zu finden. Das braucht Zeit. Und es ist sehr unterschiedlich, was einzelne Menschen dafür brauchen. Für viele ist die Anteilnahme und Unterstützung von Freund*innen und der Familie dabei besonders wichtig. Achte gut darauf, welche Personen dir guttun und mit wem du jetzt Zeit verbringen möchtest.

Diese Traueraufgabe beinhaltet zwei Aspekte. Einerseits geht es darum, Diese Traueraufgabe beinhaltet zwei Aspekte. Einerseits geht es darum, Möglichkeiten zu finden, die verstorbene Person in deinem Herzen zu bewahren. Erinnere dich an sie und bleibe mit ihr in Verbindung. Andererseits geht es bei dieser Aufgabe auch darum, nach vorne zu schauen und das eigene Leben weiterzuleben.

Dein Leben wird nie mehr so sein, wie es vorher war. Dennoch wird es irgendwann wieder gut werden, einfach anders. Du darfst wieder glücklich sein. Das bedeutet nicht, dass du die verstorbene Person nicht liebst oder vergessen hast. Es ist jedoch normal, dass sich die Trauer im Laufe der Zeit verändert und immer mehr in den Hintergrund tritt. Irgendwann werden die Erinnerungen an die verstorbene Person nicht mehr so weh tun. Vielleicht werden sie dich mit der Zeit sogar zum Lächeln bringen und mit einer tiefen Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit erfüllen.

Wenn deine Eltern trauern

Bei einem Todesfall in der Familie bemerkst du vielleicht, dass es deinen Eltern oder einem Elternteil sehr schlecht geht. Das kann sehr verunsichernd und beängstigend sein. Es kann sein, dass du versuchst, viel Verantwortung zu übernehmen (viel mithelfen zuhause, auf jüngere Geschwister aufpassen), deine eigene Trauer nicht zeigst und deine Bedürfnisse unterdrückst, um deine Eltern zu entlasten und nicht zusätzlich zu belasten. Auch du darfst trauern und deine Bedürfnisse sind wichtig! Gibt es vielleicht andere Vertrauenspersonen, Verwandte oder die Schulsozialarbeit, die für dich da sein können und wo deine Trauer Raum haben könnte?