30. JULI 2026
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«Erpressung mit intimen Fotos»
Junge, 16 Jahre
Ich (m, 16) wurde von einer jungen, gutaussehenden Frau auf Instagram angeschrieben. Sie hat mir dann intime Bilder von sich geschickt und mich gefragt, ob ich ihr auch welche schicke. Das habe ich getan. Nun werde ich erpresst. Was soll ich jetzt tun?
**Frage: **
Ich (m, 16) wurde von einer jungen, gutaussehenden Frau auf Instagram angeschrieben. Wir haben gechattet und sie hat mich gefragt, ob wir uns weiter per WhatsApp austauschen möchten.
Sie hat mir dann intime Bilder von sich geschickt und mich gefragt, ob ich ihr auch welche schicke. Das habe ich getan. Nun werde ich erpresst. Wenn ich nicht bis heute Abend 50.- überweise, werden meine intimen Fotos an alle meine Instagram Kontakte geschickt. Ich bin verzweifelt und weiss nicht mehr weiter…
Was soll ich jetzt machen? Ich habe mega Angst, dass alle von meiner Dummheit erfahren.
Antwort:
Hallo.
Es ist stark, dass du dich bei uns gemeldet hast und in dieser belastenden Situation nicht allein bleibst. Wir können gut nachvollziehen, dass du Angst hast und verzweifelt bist.
Du bist Opfer von Sextortion geworden. Der Begriff Sextortion setzt sich aus den Wörtern «Sex» und «Extortion» zusammen, dem englischen Wort für Erpressung. Es handelt sich um eine besonders gemeine Masche, um an Geld zu kommen.
Viele Jugendliche sind davon betroffen. Die Betrüger*innen geben sich oft jünger aus, als sie tatsächlich sind, machen Komplimente oder schreiben, dass sie in dich verliebt sind. Es ist also verständlich, dass du dieser Person vertraut hast. Dafür musst du dich nicht schämen – und es gibt Wege, mit dieser Situation umzugehen.
**Das kannst du tun, wenn jemand dich mit deinen Nacktfotos oder -videos erpresst: **
- Ignoriere die Erpressung: Geh nicht auf die Forderungen ein und zahle kein Geld. Wer einmal zahlt, wird oft erneut erpresst.
- Sichere Beweise: Mach Screenshots von Nachrichten, Usernamen, Mailadressen, Telefonnummern und Angaben zur Geldüberweisung. Diese Informationen können helfen, die erpressende Person zu identifizieren. Intime Bilder oder Videos solltest du jedoch keinesfalls speichern, weiterleiten oder anderweitig verarbeiten.
- Brich den Kontakt ab: Auch wenn es viel Mut braucht - am besten brichst du den Kontakt sofort ab. Blockiere und melde die Person auf Social-Media-Plattformen – jedoch erst, nachdem die Beweise gesichert wurden.
- Hole dir Unterstützung: Melde dich unbedingt bei einer Opferhilfestelle. Dort erhältst du Beratung zu einer möglichen Anzeige bei der Polizei und weitere Unterstützung, zum Beispiel bei der Vermittlung psychologischer Hilfe. Bei clickandstop.ch kannst du den Vorfall auch anonym melden und dich beraten lassen. Das ist auch dann wichtig, wenn du kein Geld überwiesen hast.
- Falls doch etwas veröffentlicht wurde: Falls Bilder oder Videos von dir veröffentlicht wurden, melde dies sofort auf der betreffenden Plattform, damit die Inhalte gelöscht werden. Wie das funktioniert, erfährst du im jeweiligen Hilfebereich. Alternativ kannst du auch den Dienst Take It Down nutzen, um Bilder oder Videos entfernen zu lassen.
So kannst du dich künftig vor Sextortion schützen
Dieses unangenehme Erlebnis kann auch eine wichtige Lernerfahrung sein. Damit du in Zukunft besser geschützt bist, helfen dir diese Tipps:
- Sei misstrauisch: Wenn dich jemand auffordert, ein erotisches Bild oder Video von dir zu erstellen und zu verschicken, ist Vorsicht angebracht – auch dann, wenn du bereits ein intimes Bild oder Video von dieser Person erhalten hast. Ein solcher Austausch kann reizvoll wirken, deine Bedürfnisse ansprechen oder Sehnsüchte wecken. Versuche trotzdem, einen Moment innezuhalten und gut hinzuspüren, was du wirklich möchtest.
- Lass dir Zeit: Wenn du trotzdem ein intimes Bild verschicken möchtest, nimm dir Zeit und überlege es dir nochmals in Ruhe. Im Affekt ein Bild zu versenden, ist keine gute Idee. Achte ausserdem unbedingt darauf, dass dein Gesicht und persönliche Merkmale wie Muttermale nicht sichtbar sind.
- Sei dir bewusst: Während eines Videochats ist es möglich, dass du ohne dein Wissen gefilmt wirst. Verzichte deshalb auf Handlungen, die dir unangenehm wären, wenn sie aufgenommen oder veröffentlicht würden.
- Achte auf deine persönlichen Daten: Stelle deine Social-Media-Profile auf privat und akzeptiere oder füge nur Kontakte hinzu, die du persönlich kennst. Generell gilt: Gib im Internet und in sozialen Medien so wenig persönliche Informationen wie möglich preis.
Wir alle kennen den Wunsch nach Anerkennung und Bewunderung und möchten gemocht und begehrt werden. Diese Bedürfnisse und Sehnsüchte sind völlig normal und gesund. Im Internet ist es einfacher, Kontakte zu knüpfen und die Hemmschwelle ist tiefer. Der Austausch ist anonymer, wodurch es leichter fallen kann, die eigenen Sehnsüchte auszuleben. Vielleicht hat es sich für dich so oder ähnlich angefühlt und du hast dich besonders gesehen und verstanden gefühlt.
Wir hoffen, dass du dich nun bereit fühlst, die nächsten Schritte anzugehen. Wenn du merkst, dass du dabei Unterstützung brauchst, sprich mit einer erwachsenen Vertrauensperson oder ruf uns unter 147 an.
Liebe Grüsse, dein 147